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Wie die Plakatbroschüre entstand

Von der ersten Idee

An einem der ersten Frühsommerabende 2023 sitze ich auf meinem Sofa und bin dabei Streamingdienste durchzusuchen. Bis mir die sechsteilige Dokuserie “Pride” über den Weg stolpert. Sie handelt von dem Kampf der LGBTQ+ Bürgerrechtsbewegung in den USA. Begonnen mit den 1950er Jahren bis zu den 2000er, mit Interviews und Archivmaterial.

Einmal angefangen konnte ich nicht mehr aufhören und guckte bis tief in die Nacht alle Folgen hintereinander. Die Dokumentarserie hatte mich voll eingenommen und noch während ich dabei war, sie zu gucken, fragte ich mich, gibt es sowas eigentlich auch über die deutsche LGBTQ+ Geschichte? Und warum weiß ich selbst kaum was über Queere Geschichte in Deutschland? Ich mochte in der Schule schon den Geschichtsunterricht und gucke auch heute noch gerne Dokus über verschiedenste geschichtliche Ereignisse und Epochen. Für mich erklären sie sehr gut, wie es dazu kam, wie wir unsere Umwelt verstehen und wieso wir so leben, wie wir leben.
Noch in der Nacht fing ich an zu googeln, ob es etwas Ähnliches gab und fand keine zusammengefassten Dokumentationen und auch sonst gab es nur Artikel zu vereinzelten Ereignissen. Was mich nach einiger Zeit enttäuscht zurückgelassen hat. Dann machte ich mich an die Überlegung, was ich machen könnte, selbst eine Dokumentation drehen fiel sofort weg. Videos drehen und schneiden mache ich nicht so gerne und wer sollte sich denn vor die Kamera setzen. Also eine Plakatbroschüre, das kann ich.  

Recherche & Design

Ich machte mich also dran, alles, was mir einfiel, zu googeln und in eine Seite bei Notion anzulegen, in der ich alles, was ich fand, chronologisch abzulegen. Dabei war es teilweise schwierig, verlässliche Quellen zu finden, weil ich nicht die Wikipedia-Artikel nutzen wollte. Allgemein sieht die Dokumentationslage sehr dürftig aus, weil LGBTQ+ Menschen lange durch Gesetze und Verfolgung unsichtbar gemacht wurden. Zu meinen Quellen für die Broschüre gehörneunter anderem: die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), das Forum München, das Lebendige Museum Online (LeMO), das Queer Lexikon, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld oder auch das Buch “Queer eine deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis heute” von Benno Gammerl.

Am Anfang meiner Recherche hatte ich ein luftiges Design im Kopf, das sich sehr schnell veränderte. Die Menge der Ereignisse der Jahrzehnte brauchte mehr Raum. Ich war selbst überrascht, dass so viel passierte in der Vergangenheit. Die Parallelen der 1920er Jahren zu heute und was sich alles in den Jahrzehnten verändert hat. Zu den verschiedenen geschichtlichen Ereignissen sollten auch die sechs größten Vereine und Anlaufstellen für LGBTQ+ Menschen einen Platz bekommen sowie kurze Erklärungen und die Fahnen zu den verschiedensten Label.

Mir war es wichtig, dass die Plakatbroschüre auch anders weiterverwendet werden kann. So sollte auf der einen Seite ein Plakat entstehen, dass vielleicht aufgehängt wird. Mein erster Gedanke war es, nur das Wort Liebe dort stehen zu haben. Je mehr ich darüber nachdachte, desto langweiliger empfand ich die Idee. Ich wollte ein Plakat gestalten, das Mut macht. Und in etwa das Gefühl widerspiegelt, dass ich hatte, beim ersten Mal in einem Queeren-Raum. Dieses Gefühl hatten auch Freund*innen so in etwa. So wurde es der Spruch “Full of Love”. Für den Schriftzug habe ich die Playfair Display im Regular und Italic Schriftschnitt als Grundlage genommen. Insgesamt wurden die Buchstaben schmaler und der grade Grundstrich wurde mit einer Wellenlinie ausgetauscht. So passen die Buchstaben alle zusammen und haben gleichzeitig eine Fluidität, genauso wie die verschiedenen Identitäten auf dem LGBTQ+ Spektrum. Den Haarstrich beim F habe ich entfernt und einen Asterisk eingefügt. Der Asterisk in der Playfair Display ist eine Blume, die von der Symbolik als Genderstern sehr passend ist. Um diesen Schriftzug herum stehen noch positive Aussagen zu den verschiedenen Sexuellen- und Genderidentitäten, die ich von Plakaten vom CSD Umzug gesammelt habe. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Im späten Herbst habe ich die Plakatbroschüre soweit fertiggestellt, nur was kommt jetzt? Einige Monate habe ich die Datei auf meinem Laptop liegen lassen, weil ich mich nicht getraut habe diese zu veröffentlichen. Zu viele Selbstzweifel hatte ich. Immerhin müssen die Texte noch etwas überarbeitet werden und hab ich wirklich eine gute Auswahl getroffen? Lange hab ich hin und her überlegt, bis ich mich im Februar endlich getraut habe sie zu teilen. Jetzt habe ich so viel Zeit darein investiert und würde die Broschüre gerne mit einem Verein oder Organisation komplett fertig überarbeiten und dann realisieren lassen. Ich möchte, dass die Broschüre die Vereinsarbeit unterstützt und viele Menschen aufklärt. 

Deswegen mache ich hier einen Aufruf, falls du bei einem Verein arbeitest oder eine Person kennst, die*der bei einem Verein arbeitet. Einen Verein oder eine Organisation kennst die ich mal anschreiben sollte und/oder du hast Erfahrung damit, mit einem eigenen Projekt zu einem Verein zu gehen und kannst mir Tipps dafür geben. Dann schreib mir bitte eine E-Mail an hej@meer-studio.de. Vielen Dank schon im Voraus! 

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